Fehlstart in der BOL

BOL-Fehlstart der (neuen) Heidingsfelder ERSTEN ist perfekt! Mitaufsteiger TV Großlangheim entführte mit disziplinierter Matchplan-Umsetzung beide Zähler aus der Hätzfelder Ballsporthalle; Betretene Verlegenheitsminen beherrschten die Szenerie nach dem Abpfiff am Samstagabend im Lager der TG Heidingsfeld


TG Heidingsfeld          –          TV Großlangheim            26 : 27    (16 :12)


Abgerechnet wird immer erst zum Schluss! Eine 16:10-Führung kurz vor der Halbzeit konnte nicht ins Ziel gebracht werden. Aber der Reihe nach: Eigentlich waren die Rahmenbedingungen ganz okay in diesen CORONA-bedingt schwierigen Zeiten mit relativ ungewöhnlichen Maßnahmen. Doch das vereinsinterne Hygienekonzept passte gut, die Schiedsrichter Troll und Schneider aus Marktsteft verrichteten einen ausgezeichneten, souveränen Job und stellten somit für beide Teams eine angenehme “Arbeitsatmosphäre” her. Auf Heidingsfelder Seite kommt noch hinzu, dass Torwart Noah Schmucker in der ersten und anfangs der zweiten Halbzeit noch gehalten hat, was das Zeug hielt und nach seiner Einwechslung, auch der neue Mann im TGH-Kasten, Maximilian Schack eine starke Partie ablieferte.

Über weite Strecken der ersten Halbzeit sah es ganz so aus, als ob sich die physisch und athletisch eindeutig stärkere Mannschaft der TG Heidingsfeld klar würde durchsetzen können. So markierte Cedric Steinmetz in der 15. Minute den ersten Vier-Tore-Vorsprung und dieser konnte in der Folgezeit bis auf die vorgenannte 16-10-Führung in der 28. Minute ausgebaut werden. Auffällig war bis dahin schon, dass die Großlangheimer nicht – wie in den Begegnungen in der Vergangenheit (noch in der Bezirksliga) – gewillt waren, den “Vollgashandball” der TGH mitzugehen, sondern geschickt das Tempo aus dem Spiel nahmen und sich durch gutes, druckvolles Aufbauspiel die Heidingsfelder Abwehrspieler sozusagen “schlachtreif” zurechtstellten. Der Großlangheimer Trainer Claus Bergmann hatte hier ganze Arbeit geleistet und wusste genau wo er ansetzen musste. Es ist kein Geheimnis, dass unsere Hätzfelder Jungs in der Mann-gegen-Mann-Verteidigung grundlegende Defizite aufweisen, dahingehend schlichtweg eine schlechte oder gar keine Ausbildung genossen haben und somit eigentlich nur im Verbund verteidigen können. Genau an diesem Punkt setzten die Bergmann-Schützlinge aus Großlangheim an und genau da trafen sie den wunden Punkt der neuen Hätzfelder ERSTEN. Kaum ein Heidingsfelder Spieler war in der Lage, seinen Gegenspieler im Zweikampf zu verteidigen und insbesondere Linkshänder Elias Bergmann spielte in diesen permanenten Zweikämpfen seinen jeweiligen Gegenspieler gnadenlos an die Wand. Neun Feldtore von ihm legen hierfür ein profundes Zeugnis ab.

Trotzdem waren es die fahrlässigen Aktionen im Angriff, die sich noch gegen Ende des ersten Spielabschnittes gravierend negativ auswirkten. Unqualifizierte Wurfaktionen (Steinmetz und Singer) brachten die Großlangheimer noch zweimal in der letzten Spielminute in Ballbesitz und prompt kassierte man noch zwei Gegentreffer zum Pausenstand von 16:12. Man hatte also zum psychologisch richtigen Zeitpunkt den Gegner auf dümmlichste Art und Weise zurück ins Spiel befördert. Jedem in der Halle war jetzt klar, dass die Großlangheimer nun “Oberwasser” hatten und die Partie nun Gefahr laufen würde für die Hausherren aus dem Ruder zu laufen.

Und so kam es dann auch. Nach dem Seitenwechsel konnten Wagner, Steinmetz, Sampers & Co. noch eine geraume zeitlang einen Zwei-Tore-Vorsprung halten, mussten aber dann in der 45. Spielminute den Ausgleich zum 19:19-Zwischenstand hinnehmen. Vor allem Alex Wagner und Rene Sampers stemmten sich nun gegen die drohende Pleite und übernahmen Verantwortung, und zwar zunächst durchaus mit Erfolg. Bis in die letzte Spielminute lag man so stets mit einem Treffer in Front, ehe das Schicksal gegen die Heimmannschaft  mit einem nahezu brutalen Showdown zuschlagen sollte. Es konnte gar nicht anders sein, als dass der eigentlich an diesem Abend – neben TW-Talent Noah Schmucker –  beste Heidingsfelder-Akteur,  Alex Wagner, in den letzten 50 Spielsekunden mit einem “Doppel-Blackout” seine Mannschaft ins Tal der Tränen schickte. Zunächst träumte er im Abwehrspiel und ließ seinen Gegenspieler praktisch ohne Einzugreifen zum Wurfkreis durchbrechen und den 26:26-Ausgleichstreffer erzielen. Anschließend nahm er sich exakt 10 Sekunden vor dem Spielabpfiff einen schwachen Wurf aus dem Rückraum, den der Gästekeeper Daniel Rose ohne Probleme und peinlicherweise sicher fangen konnte (!) und natürlich sofort einen der wenigen Gästekonter einleitete. Elisas Bergmann war der Gegenstoßläufer, der dann unserem TW Maximilian Schack keine Chance gelassen hat und den Ball zum 26:27-Endstand – praktisch mit dem Schlusspfiff – im Heidingsfelder Kasten versenkte.

Klassisch gelaufen, wenn’s dick kommt in diesem Sport, dann kommt’s immer knüppeldick und jetzt ist schon nach dem ersten Spiel bei der neuen Heidingsfelder ERSTEN alles anders als bisher. Ein Jahr lang war man nur noch Siege gewohnt, stets war Frohsinn und Unbeschwertheit angesagt, ein Jahr lang strahlende Gesichter von selbstbewussten Spielern in der Halle – das ist jetzt Geschichte. Mario Steinert, derzeit 3. Torwart und Betreuer in Personalunion formulierte es nach dem Spiel klar und deutlich: “Mir wird jetzt Himmelangst, denn die wirklich starken Gegner kommen ja alle erst noch – was haben wir da angerichtet”?! Genauso sieht’s auch aus, denn die wirklich großen Kaliber, die gestandenen, abgezockten BOL-Mannschaften sind freilich nochmal eine ganze Hausnummer stärker aufgestellt, als es der Mitaufsteiger aus Großlangheim mit seinem blutjungen Kader – zum Teil standen noch A-Jugendliche auf der Platte – am Samstag war. Umso wohlgemeinter ist unsere Gratulation an den TSV Großlangheim für diese couragierte Leistung.

Weshalb dem lieben Mario Steinert dermaßen Angst und Bange geworden ist, ist vollkommen plausibel. Er hat realisiert wie schwer es werden wird, in der BOL an Punkte zu kommen – und davon werden reichlich viele benötigt, um am Ende nicht mit langen Gesichtern wieder in die Bezirksliga absteigen zu müssen. Die Überlegung ist einfach: Bei 14 Mannschaften sind insgesamt 52 Punkte zu vergeben und bei  prognostizierten 4 bis 5 Absteigern  (Stichwort: Gleitender Abstieg) sollte man, um auf der sicheren Seite zu sein, ein annähernd ausgeglichenes Punktekonto, also in etwa 24 oder 25 Zähler am Rundenende zu Buche stehen haben. Oder griffiger formuliert, man sollte in etwa knapp die Hälfte der Spiele – also etwa 12 – gewinnen können! Jetzt dürfte jedem geneigten Leser klar sein, was man da am Samstag für einen “Schlamassel” angerichtet hat.

Es spielten für die TG Heidingsfeld:

Schmucker Noah (Tor: 1. – 45. Min.), Schack Maximilian (Tor: 46. – 60. Min.); Wagner Alexander (6/1); Fischer Lorenz; Heuer Benjamin; Sampers Rene (5); Steinmetz Cedric (7); Schulz Jakob (n. e.); Grammel Patrick (2); Singer Nikolai (1); Groksch Ivo (3); Nöth Florian; Schneider Marius (1); Nass Janik (1)

Nächstes Spiel:

Am kommenden Samstag, 17.10.2020 um 20.30 Uhr tritt die TG Heidingsfeld in Kitzingen bei der HSG Mainfranken (Ballsporthalle der TG Kitzingen) an.