Bezirksliga-SÜD (Männer)

TG Heidingsfeld II        –      TG Würzburg                  28  :  27       (12 : 14)

Samstag, 08.02.2020

 

 

 

Starke TG Würzburg brachte Tabelleführer Heidingsfeld an den Rande der ersten Niederlage; Rene Sampers mit dem “Golden Goal”  ganze 16 Sekunden vor dem Abpfiff; Spielverlaufsbeschreibung: “Abgerechnet wird immer erst am Schluss”; Nach 10 Siegen in Serie nun mit 20:0 Punkten Tabellenführer!

 

Mit der TG Würzburg kam die Mannschaft der Stunde am Samstagnachmittag in die Heidingsfelder Ballsporthalle, denn mit einer relativ bescheidenen Bilanz von 2:6 Punkten nach vier Spielen, berappelte sich die Mannschaft von Trainer Georg Hönniger und marschierte seither konsequent von Sieg zu Sieg. Dies gipfelte zuletzt darin, dass man sogar den Tabellenzweiten TV Großlangheim in dessen eigener Halle schlagen konnte. Dieser Aufschwung bei unserem Derbypartner kommt auch nicht von ungefähr. Noch ein, zwei starke Neuzugänge im Spätherbst und vor allem eine klare Trainerhandschrift mit einem wohl-strukturierten und gleichzeitig zweikampfbetonten Aufbau- und Angriffsspiel, stellen die Grundlage für diesen echten Höhenflug der TGW dar.

 

Trotzdem verlief die Begegnung von den Zwischenresultaten her in der ersten Spielhälfte einigermaßen so, wie man sich das auf Hätzfelder Seite vorstellte, nämlich zumindest immer eine knappe Führung verteidigend. Mit dem Treffer zum 5:2 durch Janik Nass, nach schönem Kreisanspiel von Alex Wagner in der 11. Minute, waren die Wirth-Schützlinge richtig in der Partie angekommen, sollte man meinen. Auch bis zum 7:4 durch Flo Nöth (15. Min.) hielt der Drei-Tore-Vorsprung noch. Aber keine vier Minuten später hatten die TGW-ler den Heidingsfelder Torevorsprung schon aufgeholt und in der 18. Spielminute zum 8:8-Zwischenstand egalisiert. Zweimal noch gingen die Hausherren nach einer kurzen Auszeitansprache von Trainer Manni Wirth nun noch in Führung (9:8 und 10:9) und man überstand jetzt auch eine sehr schwierige Situation recht glimpflich, als man kurzzeitig sogar bloß noch 3 Feldspieler auf der Platte hatte. Wieso diese Hinausstellung in dieser Spielphase so komprimiert ausgesprochen  wurden, blieb einigermaßen unklar, denn auf dem Spielfeld und darum herum war eigentlich überhaupt nichts von Bedeutung geschehen. Aber gut, die Unterzahlsituation wirkte sich zunächst kaum auf das Ergebnis aus, denn die TGW war in dieser Phase nur mit einem Tor in Führung gegangen und Ivo Groksch konnte sogar noch mit einer frechen Aktion den 11:11-Ausgleich (27. Min.) herstellen. Die abermalige TGW-Führung glich dann, als man wieder mit voller Kappele auf dem Spielfeld stand, Alex Wagner noch einmal zum 12:12 in der 29. Spielminute durch einen verwandelten Siebenmeter-Strafwurf aus. Allerdings kamen die Gäste in den letzten eineinhalb Spielminuten noch durch zwei weitern Treffern zum gar nun nicht so sehr überraschenden 12:14-Halbzeitresultat.

Das Fazit zum ersten Durchgang lautete, dass etliche Heidingsfelder-Protagonisten noch längst nicht zu ihrer Normalform gefunden hatten – weder im Angriff, noch in der Defensive. Playmaker Alex Wagner blieb blass, versteckte sich sogar ein wenig, anstatt – was man gerade in solch’ schwereren Phasen von einem Spielmacher erwarten darf – die Führungsrolle an sich zu reißen. Cedric Steinmetz, die eigentliche TGH-Torfabrik, erzielte letztendlich insgesamt zwar vier “Buden”, hatte aber mit den eigenen Nerven zu kämpfen und brachte einfach keine Form auf die Platte. Selbst Nachwuchstorwart Noah Schmucker hatte in der ersten Halbzeit bis dahin kaum eine Hand an den Ball gebracht und war noch nicht der starke Rückhalt für sein Team.

In der zweiten Halbzeit wurde dann aber auch längst nicht alles besser, im Gegenteil. Ein wenig kurios war der Umstand, dass sich im Gegensatz zur ersten Halbzeit ein geradezu spiegelverkehrter Spielverlauf entwickelte. Jetzt schaffen es vor allem die beiden “TGW-Führungskräfte” Julian Walter und Leon Scheler-Eckstein, die Heidingsfelder Verteidigung ein ums andere Mal zu düpieren. Ein bärenstarkes “Mann-gegen-Mann-Spiel” sorgte bisweilen sogar für Überforderung und Verlegenheit in der Hätzfelder Hintermannschaft. Im Hätzfelder Angriffspiel war es vor allem Rene Sampers, der sich aufbäumte und mit einigen schönen Würfen – bei insgesamt sechs Feldtoren – seine Mannschaft immer wieder auf Tuchfühlung hielt. Auch Ivo Groksch wirkte auf der rechten Außenposition sehr sicher und steuerte letztlich auch vier Treffer bei. Und dennoch, die TGW blieb in Führung und beim 20:23-Vorsprung in der 47. Minute, bahnte sich die erste Saisonniederlage für die MANNI-Boys an. Und wie es dann oftmals beim Handballsport eben so ist, Flo Nöth erzielte von der undankbaren Rechtsaußenposition den Anschlusstreffer, obgleich man gerade wieder einmal anlässlich einer Zeitstrafe für Ivo Groksch, in nummerischer Unterzahl agieren musste. Beim Spielstand von 22:24 für die TG Würzburg nahm Coach Manni Wirth in der 50. Minute erneut eine Auszeit und wieder ging der Plan zunächst auf. Drei Hätzfelder Treffer in Serie sprangen dabei heraus. Zunächst besorgte Alex Wagner den Anschlusstreffer und Cedric Steinmetz glich dann in der 53. Minute zum 24:24-Unentschieden aus. Der Jubel in der gut besuchten Ballsporthalle war groß, als Kolle Singer in der 54. Minute dann sogar per Tempogegenstoß die 25:24-Führung erkämpfen konnte. Alledings, dieser “Auszeit-Elan” konnte nicht bis zum Spielende aufrecht erhalten werden. Ab jetzt geriet die Partie zu einem Thriller!


Und dafür sorgten nicht nur die Wirth-Schützlinge, vielmehr schrieben auch die nun noch einmal kompakt, selbstbewusst und ungemein zweikampfstark auftretenden
Jungs der TGW mit an dieser – zumindest für die Zuschauer – herrlichen Spiel-Dramaturgie. Binnen einer Minute glichen die TGW-ler nun aus und holten sich sogar die Führung in der 56. Minute zurück. Cedrik Steinmetz, dem ansonsten an diesem Tag wahrlich nicht viel gelang, sorgte mit einem “Doppelschlag” für den erneuten Ausgleich und holte dann sogar in der 57. Minute die Führung für die Hätzfelder zurück. Die Halle bebte und wie später zu erfahren war, hatten einige Zuschauer sogar regelrechte Schweißausbrüche. Das Derby war endgütig auf dem Siedepunkt angelangt. Einige Heidingsfelder Fans lieferden sich – so wurde nachfolgend berichtet – sogar hitzige Wortgefechte mit den doch recht zahlreichen TGW-Anhängern. Jawohl, genauso muss das sein, bei so einem Handball-Krimi. Passiert ist freilich gar nichts, außer auf dem Spielfeld. Dort jagte der ungemein stark agierende Aufbauspieler Leon Scheler-Eckstein zum Entsetzen aller Hätzfelder und der gesamten Anhängerschaft den Ball in die Maschen des TGH-Gehäuses und stellte damit wiederum den Ausgleich zum 27:27 her. Jetzt war es nicht nur ein Krimi, jetzt war es reine Nervensache! Und wer anders, als Rene Sampers hätte es an diesem Tag für Heidingsfeld richten können? Nur er war mit dem Selbstvertrauen ausgestattet, ganze 15 Sekunden vor dem Spielende einen blitzsauberen Zweikampf zu führen und das Spielgerät am starken TGW-Keeper vorbei ins Tor zu befördern. Der Emmotional-Leader, der Boss der TGH-Truppe, Reme Sampers behielt die Nerven und bog die Partie doch noch zugunsten seiner Hätzfelder um! Hut ab!

Ein glückliches Ende, allemal. Aber so ist das eben, abgerechet wird halt immer erst zum Schluss. Ob verdient gewonnen oder eher unverdient, bleibt dahin gestellt. Fakt ist, die TGW war ein starker Gegener mit einem für diese Liga überragendem Zweikampfverhalten, das den Hausherren ganz deutlich aufzeigte, wo sich die Schwachstellen befinden. Man wird auf Hätzfelder Seite ganz sicher die richtigen Lehren daraus ziehen, denn im Meisterschaftsfall – mit nun 20:0 Zählern an der Tabellenspitze darf man nun allmählich darüber reden – hätte es überhaupt keinen Sinn, den Aufstieg in die BOL tatsächlich wahrzunehmen, wenn man das individuelle Abwehrspiel, das “Mann-gegen-Mann-Verhalten” nicht um mindesten 200 bis 300 Prozent zu steigern in der Lage ist. So gesehen, war diese Begegnung mehr als nur ein Würzburger Stadtderby, es sollte für die Team- und Abteilungsverantwortlichen, aber auch für jeden einzelenen Spieler der Anlass sein, um sachlich und abgeklärt darüber zu befinden, welcher Pfad in zukunft sinnvollerweise begangen werden soll. Ergo, es war ein schöner Erfolg, aber das Spiel war auch ein “Augenöffner”, eines, das die Sinne aller handelnden Akteure schärfen sollte.

Es spielten für die TG Heidingsfeld II:

Janik Delp (TW: n. e.); Noah Schmucker (TW: 1 – 60. Min.); Pius Eisenmann (n. e.); Alex Wagner (5/2); Benni Heuer (n. e.); Rene Sampers (6); Cedric Steinmetz (4);
Kolle Singer(1); Dominic Albers (3); Max Gold (n. e.); Ivo Groksch (4); Flo Nöth (2); Schnixxe Schneider (n. e.); Janik Nass (3)

Nächstes Spiel:

 

Samstag, 29.02.2010  um   15.15 Uhr           TG Heidingsfeld II      –      TV Dettelbach

TGH-Ballsporthalle (Heidingsfeld)

 


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